15. September 2026 - Beiträge - Allgemein - Autor*in

Faszination Fliegen: Ein Blick hinter die Kulissen des Segelflugplatzes Hornberg

2026-09-09 Flugplatz Hornberg 2

Degenfelder LandFrauen auf den Spuren der Fliegerei auf dem Hornberg

Eine Reise in die bewegte Vergangenheit sowie in die Gegenwart eines der traditionsreichsten Orte der Region unternahmen die LandFrauen Degenfeld. Der Einladung zur Führung unter dem Leitmotiv „Heimatkunde, Technik und Geschichte“ folgten zahlreiche interessierte Teilnehmerinnen aus Degenfeld und Umgebung.

Zu Beginn des Nachmittagsprogramms erhielten die Besucherinnen über eine umfassende Präsentation einen Einblick in die Geschichte des Fliegerbergs, die Grundlagen des Fliegens in und mit der Natur sowie die gegenwärtigen Vereinsaktivitäten der Fliegergruppe Schwäbisch Gmünd.

Die Leiterin der Veranstaltung Birgit Wiedenmann beleuchtete die Anfänge des Flugplatzes, die bis in 1920er Jahre zurückreichen. Damals galten nach dem Ersten Weltkrieg noch die strengen Vorschriften des Versailler Vertrags, die Deutschland den Bau von Motorflugzeugen untersagten. Erfinderische Flugpioniere – darunter eine Gruppe aus Bettringen -, die sich kurzerhand selbst ein hölzernes Gleitflugzeug baute, wichen deshalb auf den motorlosen Flug aus. Sie nutzten die idealen Bedingungen des Hornbergs für Flüge im Hangwind und die Aufwinde am Kalten Feld für ihre ersten, noch abenteuerlichen Starts an den Hängen des Hausbergs der Degenfelder.

Auch auf die dunkleren Kapitel der Anlage ging Birgit Wiedenmann ein: die im Jahr 1933 unter dem bekannten Flugzeugkonstrukteur Wolf Hirth eingeweihte Verbandsegelflugschule, wurde in der NS-Zeit rasch zur „Reichssegelflugschule“ umgewandelt, um Piloten für militärische Zwecke auszubilden. Nachdem am 16.04.1945 durch einen amerikanischen Luftangriff nahezu alle Gebäude dem Erdboden gleich gemacht wurden, folgte zu Beginn der 50er Jahre der Wiederaufbau. 1953 konnte dann die offizielle Wiedereröffnung der Segelflugschule gefeiert werden, die bis 2015 dem Baden-Württembergischen Luftfahrtverband (BWLV) gehörte.

Nach dem Beschluss des BWLV, sich vom Segelfluggelände und der Flugschule zu trennen, trat der Glücksfall ein, dass die Fliegergruppe Schwäbisch Gmünd im Jahr 2015 trotz erheblicher finanzieller Aufwendungen das Gelände erwerben konnte. Der Fortbestand des Traditionsgeländes war dadurch gesichert. Heute führen die Gmünder Segelflieger gemeinsam mit der Fliegergruppe Waldstetten den Flugbetrieb auf dem Hornberg fort.

Über die Jahre erhoben sich zahlreiche berühmte Persönlichkeiten wie u.a. Testpilotin Hanna Reitsch, der spätere NATO-Generalsekretär Manfred Wörner, Ex-Ministerpräsident Lothar Späth, Sven Plöger und der deutsche Astronaut Ulf Merbold hier schon in die Lüfte.

Im Anschluss an die Historie erhielten die LandFrauen erste Einblicke in die lautlose Fliegerei in und mit der Natur. Thermik, Wellenfliegen und Hangfliegen wurden kurz erläutert und durch Informationen über den Ablauf der Flugausbildung und die vielfältigen Aktivitäten der Fliegergruppe Schwäbisch Gmünd ergänzt.

Nach dem informativen Vortrag ging es für die LandFrauen in die Praxis. Der am Hornberg ansässige luftfahrttechnische Betrieb CAMOSÜD öffnete seine Türen und gab Einblicke in die Reparatur und Wartung von Segelflugzeugen. Für den weiteren Rundgangs über das Fluggelände öffnete die Fliegergruppe Schwäbisch Gmünd ihre Hallentore, so dass die Besucherinnen Motor- und Segelflugzeuge aus der Nähe betrachten konnten und ihre noch offenen Fragen beantwortet bekamen.

Nach den vielfältigen Eindrücken ließen die LandFrauen den Tag gemütlich bei Kaffee und Kuchen im Höhenbistro Hornberg ausklingen und waren sich dabei einig, dass der Hornberg ein faszinierendes Stück lebendiger Degenfelder Dorfgeschichte ist und bleibt.